3. Dezember 2016

… vom großen Jammern und von Fakten – eBook-Piraterie

Seit zwei Tagen macht auf Facebook ein "Kettenbrief" die Runde, in dem in sehr emotionalen Worten an die Leser appelliert wird, keine eBooks von illegalen Seiten downzuloaden. 
Es wird behauptet, dass immer mehr Autoren aufgeben würden. 
Ob das stimmt mag ich nicht beurteilen. Ich frage mich allerdings, warum man etwas kampflos aufgeben sollte, dass einen als Menschen prägt und das einen großen Raum im Leben einnimmt. Ich bin Autorin und ich bleibe Autorin. So etwas legt man nicht einfach ab und macht stattdessen: "Mimimi, jemand hat mein Buch geklaut, jetzt höre ich auf zu schreiben". 
Man kämpft für das, was man liebt und zieht nicht den Schwanz ein. 

Zum Nutzen dieser gut gemeinten Appelle möchte ich an dieser Stelle nichts sagen. Der Hohn und Spott, der Autoren in den Foren entgegen schallt, die sich dort äußern, spricht für sich. "Bestenfalls" führen solche Äußerungen zu einem Feature auf der Startseite des jeweiligen Portals und zu massiv erhöhten Downloadzahlen. Mehr Verkäufe generieren sie nicht. 

Das folgende Interview führte ich mit Andreas Kaspar zur FBM, es erschien in veränderter Form vor einigen Wochen im Buchreport

Wohl jeder selbstpublizierende Autor kennt diesen Moment, wenn er sein E-Book auf einer illegalen Seite entdeckt. Nach dem Unglauben kommt die Wut, gefolgt von Ratlosigkeit. Wie kann es sein, dass jemand das Werk gegen den Willen des Urhebers auf einer Internet-Plattform zum Download anbietet? Das ist doch verboten. Kann man etwas dagegen unternehmen, oder muss man diesen Diebstahl hinnehmen? 

Sehr oft finden sich die gleichen Reaktionen auf die ratlosen Fragen eines betroffenen Autors: »Sieh es als kostenlose Werbung an. Die Leute, die sich dort Bücher downloaden, hätten dein Buch sowieso nicht legal gekauft.« 
Aber stimmt das wirklich, was seit vielen Jahren immer und immer wieder als einzig wahre Antwort postuliert wird? 

Andreas Kaspar, Inhaber des Unternehmens CounterFights Anti-Piracy, lässt im Auftrag der Autoren und Verlage illegale Angebote im Internet entfernen und hat als langjähriger Beobachter der Piraterie-Szene eine differenziertere Sichtweise.  

Frage: Herr Kaspar, oft wird behauptet, dass durch die Piraterie kein wirklicher Schaden entsteht. In einem bekannten Blog für Selfpublisher wurde vor kurzem eine Studie zitiert, die belegen soll, dass Downloader keine potentiellen Käufer sind. Wie stehen Sie zu diesem Argument?
Der Autor dieses Blogs bezieht sich auf die Ergebnisse von mehreren Studien, welche eine zunehmende Nutzung legaler Verkaufsplattformen aufzeigen und interpretiert in diese Zunahme von Käufern einen Rückgang der E-Book Piraterie. Schaut man sich die Ergebnisse dieser Studien jedoch genauer an, lassen diese eine solche Interpretation nach meiner Meinung gar nicht zu.
In der zitierten Studie zur digitalen Contentnutzung von 2013, welche u.a. auch für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. erstellt wurde, gaben 73 % der Befragten an, dass es bereits ausreichend legale Angebote gebe, um E-Books im Internet zu kaufen oder zu nutzen. Vom Jahr 2012 bis 2013 ist die Anzahl der Befragten von 46 % auf 53 % angestiegen, welche bereits ein für die Befragten perfektes legales Angebot haben, um die E-Books im Internet zu kaufen oder zu nutzen.
Allerdings steht in dieser Studie auch, dass es nur 39 % der Befragten leichtfiel zu unterscheiden, ob es sich um ein legales oder illegales E-Book Angebot im Internet handelte. Wieso ist der überwiegende Teil der Befragten der Ansicht, dass es bereits ausreichend legale Angebote gebe, wenn der überwiegende Teil der Befragten (61 %) damit Schwierigkeiten hatte, die Unterschiede zwischen einem legalen und illegalen Angebot festzustellen?